Sonntag, 16. Oktober 2016

"Ein Buch und eine Meinung" - Folge 12

Natalia Ginzburg: So ist es gewesen
Der literarische Durchbruch einer italienischen Autorin oder von der Wahrheit der Liebe und des Lebens

Natalia Ginzburg stößt bereits im ersten Absatz der ersten Seite ihres zweiten Romans So ist es gewesen (1947) in das Mark ihrer Geschichte: „Ich habe ihm in die Augen geschossen.“, erzählt eine junge Frau, die ihrem Mann Alberto noch bei seinen Reisevorbereitungen hilft, bevor sie ihn ermorden wird und mit Regenmantel und Handschuhen in einen Park flüchtet, um sich und ihr Leben zu sammeln. Klar ist damit nicht nur, dass es in diesem kurzen Roman, der keine 100 Seiten umfasst, um Liebe, Ehe und Mord gehen wird, sondern klar ist auch, dass dieser Roman es von der ersten Sekunde an versteht, seinen Leser zu packen und eine Spannung zu erzeugen, die bis zur letzten Seite anhalten wird. Völlig schnörkellos und realistisch erzählt dieser Roman alles, was für die Geschichte notwendig ist, um die Wahrheit sowohl der Geschichte, als auch der Ästhetik und Sprache dieses Romans zu ergründen. „Ich habe zu ihm gesagt: »Sag mir die Wahrheit«, und er hat gesagt: »Welche Wahrheit?« und zeichnete rasch etwas in sein Notizbuch.“ Mit diesem Satz eröffnet Ginzburg ihren Roman und schickt damit zusammen mit dem Höhepunkt der Handlung die Moral der Geschichte ihrem Roman voraus: Was ist Wahrheit und gibt es überhaupt eine Wahrheit? Statt in weitschweifende philosophische Reflexionen oder abstrakte Charakterzeichnungen abzudriften, bleibt die Erzählerin ganz nah dran an der Geschichte, d.h. an der Realität und damit an der Wahrheit, für die das Leben geopfert wird – das eigene und das des anderen.

Verità va cercando, ch’è sí cara,
Come sa chi per lei vita rifiuta.

Um das zu verstehen, erinnert die Erzählerin ihre Vergangenheit in der Gegenwart: „Ich dachte darüber nach, was ich tun sollte. In Kürze würde ich zum Polizeipräsidium gehen, sagte ich mir. Ich würde versuchen zu erklären, wie die Dinge sich in etwa zugetragen hatten, aber es würde nicht leicht sein. Man muß beim ersten Tag beginnen (…).“ Und das macht sie dann auch, sie beginnt mit dem Kennenlernen ihres Mannes bei der Familie Gaudenzi, erzählt von ihren Eltern, den Spaziergängen und Treffen mit Alberto, ihrem Liebesgeständnis, dem Heiratsantrag, von Zweifeln und Widersprüchen, der Hochzeitsreise und der zunehmenden Entfremdung, von Zweisamkeiten und Dreiecksgeschichten, vom Schweigen und von verschwiegenen Affären, von der Geliebten ihres Mannes und der Geburt ihrer gemeinsamen Tochter, von Aufbrüchen und Rückkehrbewegungen, von Trennungen und Bindungen, von alten Zwängen und neuen Freiheiten, von unvorhersehbaren Ereignissen und jenem Mord, auf den dieser Roman von der ersten Seite an zusteuert.

Die 1916 in Palermo geborene Natalia Ginzburg ist eine der wichtigsten italienischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Ihr bekanntester Roman ist das Lessico familiare (Familienlexikon), das 1963 erschien und autobiographische Züge enthält. Ihr Frühwerk, etwa in eine ihrer ersten Erzählungen, Der Sommer von 1946, ist noch der Ästhetik des italienischen Neorealismus verpflichtet, bevor sie ihre ganz eigene realistische Sprache und ästhetische Nische in der italienischen Nachkriegsliteratur findet, die zwar dem Realistischen verpflichtet bleibt, sich jedoch nicht ohne weiteres einer Strömung zuordnen lässt. Über ihre schriftstellerischen Anfänge berichtete Natalia Ginzburg selbst: „Mir schien, als wollte ich den Neorealismus. Kurz gesagt, ich wollte dem entfliehen, was die Literatur in den Jahren des Faschismus gewesen war, also fern, distanziert. Weit weg von den Tatsachen des Lebens. Mir schien, der Neorealismus bedeute, sich dem Leben anzunähern, ins Leben, in die Wirklichkeit einzudringen.“1 Die Anfänge ihres Schreibens sind noch von der ästhetischen und ethischen Abgrenzung zum Faschismus und von ihrer Ehe mit Leone Ginzburg, einem antifaschistischen Widerstandskämpfer geprägt, nach dessen Ermordung 1945 durch deutsche Soldaten in einem römischen Gefängnis Natalia Ginzburg von Rom nach Turin zog. In Turin, wo sie ihre Kindheit verbracht hatte, begann sie wenig später in einem der bedeutendsten Verlagshäuser Italiens, dem Verlag Einaudi, zu arbeiten. Dort traf sie auf die geistige Elite des Landes und der Nachkriegszeit: Italo Calvino oder etwa Cesare Pavese und Elio Vittorini, die u.a. wichtigsten Autoren des italienischen Neorealismus. 1952 folgte die junge Autorin ihrem zweiten Ehemann, dem Anglistik-Professor Gabriele Baldini, erneut nach Rom, bis sie gemeinsam 1959 nach London auswanderten, wo sie auch ihr bekanntestes und vielleicht wichtigstes Werk verfasste, jenes Familienlexikon, für das sie den Premio Strega erhielt. In diesem Werk brachte sie ihren realistischen Stil, den sie in den fünfziger Jahren entwickelte, zur Vollendung. Sie selbst sagte über ihren Roman: „Es zu schreiben war für mich genauso wie sprechen.“2 In diesem Roman vermischen sich Schreiben und Leben vollständig und werden familiärer Mikrokosmos, menschliche Erinnerung und Beobachtung bis aufs äußerste entfaltet. Letztere ziehen sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Werk.

Der Kurzroman So ist es gewesen (1947) markiert den Beginn dieses roten Fadens im Werk von Natalia Ginzburg und ist dabei so stringent und konsequent erzählt, wie fast keines ihrer nachfolgenden Werke mehr. Zurecht feierte Italo Calvino diesen Roman enthusiastisch, der im Schatten des darauf folgenden Werkes in Vergessenheit geraten zu sein scheint und den es unbedingt lohnt auf dieselbe Weise zu lesen wie er geschrieben worden ist: unnachgiebig, zügig, spannend, unmissverständlich und wahrhaftig.

Natalia Ginzburg:
So ist es gewesen,
Berlin: Wagenbach Verlag 2008.
93 Seiten. 9,80€

Anmerkungen
[1] Zitiert nach Albath, Maike: Der Geist von Turin. Pavese, Ginzburg, Einaudi und die Wiedergeburt Italiens nach 1943, Berlin: Berenberg Verlag 2010. S. 147.
2 Zitiert nach Albath (2010): Der Geist von Turin. S. 149.


Donnerstag, 25. August 2016

lessico famigliare – Neuerscheinungen aus dem Italienischen: 28. August 2016


Mein Freund, der Mörder: wenn das Opfer seinen Mörder kennt
Ein neuer Fall für Commissario Lojacono aus Neapel oder Die Gauner von Pizzofalcone von Maurizio de Giovanni

Maurizio de Giovanni ist 1958 in Neapel geboren. Er hat zwar Literatur studiert, arbeitet aber hauptberuflich zeitlebens als Banker, um sich die Freiheit zu nehmen, mit dem Schreiben auch wieder aufzuhören, wenn ihm keine Geschichten mehr einfallen. Doch noch fallen sie ihm ein, Gott sei Dank, denn sie werden viel und gern gelesen, nicht nur in Italien und England sowie Amerika, auch in Deutschland. Die Serie um Kommissar Lojacono, der auch in diesem Kriminalroman ermittelt, begann 2012 mit dem ersten Fall  „Il metodo de coccodrillo“, der im Mondadori Verlag und 2014 erstmals in deutscher Sprache im Rowohlt-Verlag unter dem Titel „Das Krokodil“ erschien. Für seinen ersten Fall erhielt er den wichtigsten italienischen Preis für Krimis, den Premio Scerbanenco. Seit 2013 erscheinen de Giovannis Kriminalromane in Italien im renommierten Einaudi Verlag, der erstmalig „I bastardi di Pizzofalconi“ herausgab. Dieser Fall erscheint in drei Tagen, am 28. August 2016, in deutscher Sprache, natürlich wieder im Rowohlt-Verlag. Wieder besticht bereits der Einband durch sein dargestelltes Schattenspiel in Gelb-Orange und Braun bis Schwarz wie bereits „Das Krokodil“. Kaum zu übersehen sein dürfte daher der zweite Falle des Commissario Lojacono in den Buchhandlungen, in denen Maurizio de Giovanni bereits zum beständigen Inventar gehört. Parallel zu Commissario Lojacono ermittelt nämlich auch seine eigentlich erste Ermittlerfigur, Commissario Ricciardi, den de Giovanni das erste Mal bereits 2006 mit „Le Lacrime del Pagliaccio“ (Einaudi) in die Welt des Bösen schickte. In diesem Jahr erschien auch hier ein neuer Fall, „Serenata senza nome. Notturno per il commissario Ricciardi“ (Einaudi 2016). Getrost könnte Maurizio de Giovanni, der als einer der wichtigsten italienischen Krimi-Autoren angesehen werden kann, allein von seinen Büchern Leben. Doch vielleicht liegt gerade darin das Geheimnis seiner Fantasie, die sich nicht kommerzialisieren muss, um zu überleben und gerade deshalb ungebrochen weiterzuerzählen vermag. Übrigens ist de Giovanni nicht nur Krimi-Autor, sondern auch Autor zahlreicher Erzählungen, die den deutschen Lesern bisher unbekannt sein dürften. Doch es gibt ja auch so viel noch zu lesen, denn in italienischer Sprache liegen bereits drei weitere Fälle seiner Kommissare vor. Es bleibt also spannend! In „Die Gauner von Pizzofalcone“ führt es den Commissario, der gerade erst in seinem neuen Kommissariat in Pizzofalcone seine Arbeit aufnimmt, in die besten Viertel Neapels, in dem die Gattin eines Notars tot aufgefunden wird. Nicht nur kämpft Lojacono gegen den schlechten Ruf seiner Vorgänger an, sondern auch gegen die undurchsichtige Faktenlage, die darauf hindeutet, dass der Mörder nicht irgendjemand, sondern ein Bekannter des Opfers gewesen sein muss…

Maurizio de Giovanni: Die Gauner von Pizzofalcone, Lojacono ermittelt in Neapel,
aus dem Italienischen von Susanne van Volxem, Berlin: Rowohlt 2016. 9,99€

Auf der Homepage des Rowohlt Verlages stehen ein Interview mit dem Autor und eine Leseprobe bereit: http://www.rowohlt.de/news/inspektor-lojacono-neapel-das-krokodil.html

Wer mehr über den italienischen Krimi erfahren möchte, sei herzlich zu Italienreports 7. Folge vom 29. November 2015 in der Rubrik „Conversazione a…“ eingeladen:

Italienische Krimis und deutsche Leser – eine unbekannte Liebe?
Über italienische Kommissare aus Deutschland und
deutsche Übersetzungen aus dem Italienischen





Mittwoch, 16. März 2016

giornale poetico - quadri














Valerio Vincenzo ist ein italienischer Fotograf, der über acht Jahre lang die Grenzen innerhalb Europas, die geographischen, politischen und kulturellen, die physischen wie die mentalen Grenzen aufgespürt, erforscht und dokumentiert hat. Dabei zeigen die Fotografien oftmals nicht das, was man sich gerade in diesen Tagen der Flüchtlingskrise unter eine Grenze vorstellt. Vincenzos Fotografien laden ein Grenzen friedlich zu denken. Sie arbeiten sich damit weniger an den Grenzen der Vergangenheiten ab als an dem Entwurf von Grenzen in der Zukunft. Eine ästhetisch wie ethische Punktlandung vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Ereignisse. Seht her, es lohnt sich! Mehr unter http://www.valeriovincenzo.com/


Sonntag, 13. März 2016

lessico famigliare - Lektüretipp


„Poesia Italiana, Italienische Lyrik“
Ausgewählt und übersetzt von Christoph Wilhelm Aigner, Società Dante Alighieri Salzburg 2015


Ein Autor, ein Gedicht, aber mehr als ein Jahrhundert. Diese Anthologie der Dante-Gesellschaft in Salzburg besticht durch ihre Klarheit und Prägnanz. Es werden insgesamt 22 Autoren und 22 Gedichte in italienischer Originalfassung und in deutscher Übersetzung des Schriftstellers Christoph Wilhelm Aigners präsentiert. Aigner ist neben seinen eigenen Dichtungen – er gilt als der bedeutendste zeitgenössische Lyriker Österreichs – v.a. für seine Übersetzungen von Giuseppe Ungaretti bekannt. Bereits seit 2003 übersetzt Aigner Gedichte aus dem Italienischen für die Programmzeitschrift der Società Dante Alighieri Salzburg, doch diese Anthologie ist die erste, die anlässlich des achtzigjährigen Bestehens der Dante-Gesellschaft in Salzburg 2015 erschienen ist.


Die Anthologie stellt vor jedem Gedicht seinen Autor auf einer Seite vor, indem biographische und manchmal rezeptionsästhetische Aspekte kurz und bündig dargestellt werden. Auf den folgenden Seiten erscheint jeweils linksseitig das italienische Gedicht und auf der rechten Seite die deutsche Übersetzung. Auf insgesamt 96 Seiten erhält der Leser so einen Überblick über die italienische Lyrik beginnend bei Giacomo Leopardi im 19. Jahrhundert bis hin zu Silvia Bre, die zuletzt 2011 durch ihre Übersetzungen von Gedichten Emily Dickinsons in Erscheinung trat und in dieser Anthologie als Dichterin vorgestellt wird. Giorgio Simonetto verweist in seinem Vorwort zur Anthologie „Poesia Italiana“ auf die Größe dieser kleinen Anthologie: „Schritt für Schritt bildet seine [Aigners] Auswahl exemplarischer Texte eine essenzielle Landkarte italienischer Dichtung, die wesentliche Stationen des komplexen Weges von der Etablierung des modernen lyrischen Ichs bis zu den Entwicklungen unserer Tage veranschaulicht.“ (S. 5) Es ist eine Freude, dass Giorgio Simonetto ankündigt, dass es eine Fortsetzung dieser Anthologie geben wird. Hoffen wir Leser also, dass wir nicht allzu lange warten müssen.


Die hier vorgestellte Anthologie kann bei der Società Dante Alighieri online für 15 € bestellt werden: info@dante-salzburg.at . Wer mehr über und von der Società Dante Alighieri erfahren will, dem sei die Homepage www.dante-salzbur.at empfohlen.


Viel Vergnügen bei der Lektüre, Eure Italienreport-Redakteurin Rike Römhild


Sonntag, 28. Februar 2016

lessico famigliare – Neuerscheinungen aus dem Italienischen im März 2016

 
Gianrico Carofligio: Eine Frage der Würde, Ein Fall für Avvocato Guerrieri, aus dem Italienischen von Victoria Schirach, München: Goldmann, März 2016.

Der 1961 in Bari geborene Schriftsteller Carofiglio arbeitet viele Jahre als Antimafia-Staatsanwalt. Mit seinen Krimis um den Avvocato Guerrieri, dessen fünfter Fall nun im März 2016 erscheint, ist er sehr erfolgreich in Italien, Deutschland und der ganzen Welt. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere weht dem Richter Pierluigi Larocca ein scharfer Wind entgegen. Man bezichtigt ihn der Bestechung und Larocco wendet sich an seinen alten Freund, den Anwalt Guerrieri. Die bedingungslose Hilfe seines Freundes wird jedoch auf eine harte Probe gestellt, denn im Laufe des Verfahrens tauchen widersprüchliche Hinweise auf…




Enrico Ianniello: Das wundersame Leben des Isodoro Raggiola, aus dem Italienischen von Christiane von Bechtholsheim, München: Piper, 01. 03. 2016.

Im Zentrum des Romans steht der Junge Isodoro, der mit seinen Eltern ein friedliches und harmonisches Leben in einem Dorf in Süditalien führt. Doch das Glück ist endlich. Isidoros Eltern kommen bei einem Erdbeben ums Leben. Tief traumatisiert verliert Isidoro seine Sprache und taucht statt zu sprechen in die Welt der Bücher ein. Als er in Neapel auf einen Unbekannten trifft, verändert diese Begegnung alles in seinem Leben. Der Roman Das wundersame Leben des Isodoro Raggiola ist Ianniellos erster Roman, für den er zahlreiche literarische Auszeichnungen erhielt.


Michele Serra: Die Liegenden, aus dem Italienischen von Julika Brandestini, Zürich: Diogenes, 23. 03. 2016.

Der Roman erzählt von Väter und Söhnen, von Generationenkonflikten und von neuen Menschentypen, den Liegenden. Im Zentrum steht das Verhältnis zwischen einem Vater, der seinen achtzehnjährigen Sohn beobachtet, der sein halbes Leben liegend zu verbringen scheint. Im Liegen lässt es sich nämlich besser surfen, wie? Rein virtuell natürlich und darüber vergisst der Junge offensichtlich seinen Vater, der dadurch die Gelegenheit erhält, seinen Sohn unbemerkt zu beobachten. Michele Serra ist in Italien auch wegen seiner Kolumnen für La Repubblica und L’Espresso bekannt.



Michele Serra: Kleine Feste, Geschichten und Beobachtungen, aus dem Italienischen von Julika Brandestini, Zürich: Diogenes, 23. 03. 2016.

In Kleine Feste erzählt Serra von zwölf verschiedenen Ereignissen im Alltag unterschiedlicher Menschen, die wie kleine Feste des normalen Lebens sind und dabei viel essentieller und feierlicher als so manch große Zeremonie. Serra ist ein scharfer Beobachter seiner unmittelbaren Umgebung. „Ein großartiger Autor.“ (Claudio Magris)
  


Antonio Tabucchi: Reisen und andere Reisen, aus dem Italienischen von Karin Fleischanderl, München: Carl Hanser, 14. 03. 2016.

Tabucchi zählt zu einem der wichtigsten italienischen Autoren des 20. Jahrhundert und zu einem der wenigen italienischen Autoren, die wie oder beinah wie sein kürzlich verstorbener Kollege Umberto Eco in Deutschland und in der ganzen Welt ein großes Publikum gefunden hat. Im Hanser Verlag erschienen zahlreiche Titel seines Werks auf deutscher Sprache. In diesem neuesten Band nimmt uns Tabucchi mit an die Orte seiner Erzählungen. Wir sind eingeladen auf eine Reise nach Paris, Madrid, Lissabon, nach Griechenland, Rumänien, Indien, Brasilien. Auf Reisen nähert sich Tabucchi mit seinen Lesern den Grenzen zwischen Realität und Imagination, Fremdheit und Vertrautheit. Nehmen wir sie an, diese Einladung eines erfahrenden Reisenden und weltgewandten Autors.


Giorgio Bassani: Die Gärten der Finzi-Contini, aus dem Italienischen von Herbert Schlüter, Berlin: Wagenbach Verlag, März 2016. 

Aus der Backlist des Wagenbach Verlags ist einer der wichtigsten italienischen Romane des 20. Jahrhunderts wieder in deutscher Übersetzung erhältlich. Bassani erzählt die Liebesgeschichte zwischen dem jüdischen Mädchen Micól und dem Ich-Erzähler in den 1930er Jahren. Erzählt wird ebenso die Geschichte des italienischen Antisemitismus, die die bürgerliche Familie Finzi-Contini aus Ferrara versucht zu überstehen, indem sie sich in ihr Anwesen zurückzieht und ihre Gärten für die Umgebung öffnet, um so zugleich den jugendlichen Kindern die Teilhabe an der italienischen Gesellschaft und Kultur zu Teil werden zu lassen. Die Gärten der Finzi-Contini war Bassanis erster Roman, mit dem er weltberühmt wurde und der 1970 von dem nicht weniger bedeutenden und bekannten Vittorio De Sica verfilmt wurde.


Gaby Wurster (Hg.): Triest. Eine literarische Einladung, Berlin: Wagenbach Verlag, März 2016.

Die literarischen Einladungen in die Metropolen und Städte dieser Welt gehören nicht nur seit vielen Jahren zum festen Programm des Wagenbach Verlages, sondern auch dass seiner treuen Leser. Wer schon einmal eine literarische Einladung erhalten hat, weiß worauf er sich freuen kann: Einblicke und Ausblick auf Städte und Landschaften, Landsleute und Touristen, Alltagsgeschehen und Reiseerfahrungen. Neben seiner wechselvollen Geschichte gehört zu Triest auch eine wichtige literarische Tradition, die diese Einladung nicht auslässt: die Lyrik von Umberto Saba und die Prosa von Italo Svevo, außerdem Claudio Magris, Susanna Tamaro und viele mehr. Sie können Sie alle kennenlernen, wenn sie der Einladung folgen mögen. Herzlich Willkommen, in Triest und im Wagenbach Verlag.